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Michaelis Lüneburg - die Bachkirche im Norden |
Die große Orgel an St. Michaelis zu Lüneburg
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Rückpositiv (2. Manual) | Schwellwerk (3. Manual) | Pedal |
Prinzipal 16' (Prospekt) 1708 |
Prinzipal 8' (Prospekt)
1708 Gedackt 8' 1708 Oktave 4' 1870 Rohrflöit 4' 1708 Sesquialtera 2f. 1956 Flachflöte 2' 1931 Sifflöte 1 1/3’ 1931 Scharff 4f. 1999 Dulzian 16’ 1974/1999 Krummhorn 8' 1999 |
Gedackt 16' 1999
Principal 8' 1870 Salizional 8' 1974 Bordun 8' 1999 Vox celestis 8' 1999 Oktave 4' 1870 Rohrflöte 4' 1931 Nasard 2 2/3’ 1931 Flachflöte 2' 1931 Terzian 2f. 1931 Mixtur 4f. 1999 Trompete 8' 1999 Oboe 8' 1999 |
Prinzipal 16' 1870
Subbaß 16' 1870 Gedackt 16' (Transmission) aus dem Oberwerk Quintadena 16' (Transmission) aus dem Hauptwerk Oktav 8' 1870 Gedackt 8' 1870 Quinte 10 2/3’ 1999 Oktav 4' 1870 Nachthorn 2' 1931 Rauschpfeife 3f. 1931 Posaune 16' 1931 Trompete 8' 1931 Trompete 4' (Transmission) aus dem Oberwerk |
Spielanlage
Tonumfang der Manuale: C−g'''. Tonumfang des Pedals: C−f''. Hier gibt's ein Bild des Spieltischs
Taschenlade mit pneumatischer Register- und Spieltraktur. Und so sieht der Spieltisch von hinten aus
Ein Magazinbalg für die ganze Orgel und Einzelbälge für jedes Werk.
Tremulanten für Rückpositiv und Schwellwerk. Blick aus dem Schwellwerk.
Johann Sebastian Bach: Toccata d-Moll
Bis zu der Zeit, als der junge Bach an St. Michaelis lernte und sang (1700-1702), befand sich die Orgel, wie aus dem Gemälde von Joachim Burmester (um 1700) zu sehen ist, am hinteren Teil der Nordwand. Diese Orgel entsprach damals mit ihrem nicht selbständigen Pedal und dem spärlich besetzten Brustwerk (Oberwerk) nicht mehr den Erfordernissen der Zeit.
Im Jahre 1708 baute der Schnittgerschüler Matthias Dropa eine neue Orgel über dem Westeingang. Gesamtansicht
Von dieser Orgel steht heute noch der vollständige Prospekt (d. h. die von außen sichtbaren Pfeifen in dem originalen Gehäuse). Detail des Prospektes
Ansonsten sind leider nur noch wenige Pfeifen aus dieser Bauperiode erhalten. Die Bedeutung des erhaltenen Orgelprospektes aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts ist aus zwei Gründen erheblich: Erstens bestimmten die Prospektpfeifen als Prinzipale (d. h. die Grundregister einer Orgel) wesentlich den Charakter und die Konzeption der ganzen Orgel. Zweitens wurden 1916 die Prospektpfeifen der meisten großen Orgeln Deutschlands als Metallressourcen der Kriegsindustrie geopfert, und ein erhaltener Prospekt stellt somit eine Rarität dar.
Um so bedauerlicher ist es, dass schon 1871 bei einer Überarbeitung diese wertvollen Pfeifen stillgelegt wurden. Der Umfang des Eingriffes von 1871 lässt sich mangels Quellen nicht genau rekonstruieren, aber es sind einige wertvolle Register aus dieser Zeit erhalten. Aus einem Gutachten aus dem Jahr 1927 von Christhard Mahrenholz, dem damals bedeutendsten Orgelsachverständigen in Deutschland, geht hervor, dass 1871 nicht nur Einzelregister, sondern auch die gesamte Anlage weitgehend verändert wurden. Mahrenholz bezeichnete den Gesamtzustand als irreparabel und hielt einen gänzlichen "Umbau oder Neubau für die allernächste Zeit" für unumgänglich.
Dies erfolgte 1931 durch die Firma Furtwängler & Hammer. Es wurde eine große Orgel in das alte Gehäuse gebaut, die alle damals erhaltenen Pfeifen von Dropa und alle brauchbaren von 1871 verwendete. Die Gesamtanlage der Orgel hat sich seitdem nicht mehr verändert: Die rein pneumatische Spielanlage (Taschenladen) ist ganz der Romantik verpflichtet, weist aber − unter der Regie von Christhard Mahrenholz − einige deutliche Kennzeichen der damals jungen "Orgelbewegung" mit neobarocker Zielsetzung auf: Furtwängler verteilt die Pfeifen der vorromantischen Praxis entsprechend symmetrisch auf zwei Seiten auf die sogenannte C− bzw. Cis−Lade. Dadurch wird ein einheitlicher Klang mit einer guten Abstrahlung in den Raum erreicht.. Insgesamt darf gesagt werden, dass die Arbeit von Furtwängler auf hohem handwerklichen Niveau steht.Im Jahre 1956 wurden die meisten romantischen Register durch die Firma Kemper entfernt oder zweckentfremdet. Die Orgel, deren Klang offenbar als zu weich empfunden wurde, sollte möglichst barockisiert werden. Überall, wo es nur ging, wurden tiefe, grundtönige Register durch spitze und helle ersetzt. Der Schweller (d. h. die vom Spieltisch aus beweglichen Jalousien zur Erreichung von crescendo und decrescendo) wurde entfernt. Wiederum neobarock war die Ausrichtung einiger weniger Register, die die Firma Hillebrand 1974 einbaute. Die romantische Spielanlage mit ihrer rein pneumatischen Steuerung hingegen wurde unverändert beibehalten.
Der besondere Reiz der Orgel in St. Michaelis besteht in ihrer Verbindung von barocker Aufstellung und Gehäuse mit einer soliden romantischen Spielanlage. Die wertvollen Bestandteile der Bauzustände von 1708 und 1931 wieder voll zum Erklingen zu bringen, war das Ziel der Renovierungsarbeiten im Jahre 1999.
Mit der Firma Scheffler aus Sieversdorf bei Frankfurt/Oder konnte eine Orgelbaufirma gewonnen werden, die insbesondere auf dem Gebiet der Sanierung von Orgeln aus der deutschen Romantik als eine der besten überhaupt gilt. Das Ergebnis ist nun eine Orgel, die die Klarheit und Brillanz der Barockorgel mit der Weichheit und Wandlungsfähigkeit eines romantischen Instrumentes verbindet − ein besonders in Deutschland seltener Glücksfall. Die Orgel verfügt nun über 48 Stimmen, die sich auf drei Manuale und Pedal folgendermaßen verteilen. Ein Blick von oben in das Pedalwerk
| © St. Michaelis Lüneburg 2003 |